Marrakesch – ein Land wie in 1001 Nacht.. Oder auch nicht?

1001 Nacht, sich fühlen wie Jasmin im Disney Film „Aladin“… Das kommt einen in den Sinn, wenn man an Marrakesch denkt! Das Gefühl von Wärme, der Duft von Gewürzen und die Rufe auf den Märkten schweben einem im Kopf herum bei dem Gedanken an diese orientalische Stadt. Das waren auch meine Erwartungen, als wir beschlossen haben einen Kurztrip nach Marrakesch zu machen. Etwas enttäuscht war ich dann leider doch. Trotz eines schönen Trips, war ich etwas hin- und hergerissen – dazu aber mehr in meinem Fazit ganz unten. Erst einmal möchte ich euch zeigen, was euch erwartet und auch in gewisser weise „vorwarnen“. Außerdem sollt ihr hier erfahren, wie ihr euren Trip am besten gestalten könnt und solltet.

Ihr müsst wissen, ich bin ein Fan des Orients und liebe es in solche Länder zu reisen. Ob es daran liegt, dass meine Wurzeln im Orient liegen und es mich deswegen dahin zieht, kann ich euch leider nicht sagen. Was ich euch aber sagen kann ist, dass mich diese Kultur einfach verzaubert und ich mich wohl fühle darin. Dabei ist es selbstverständlich nicht jedermanns Sache und ich kann es verstehen, wenn man es für zu „aufdringlich“ hält. Ich persönlich empfinde es zwar manchmal auch als zu aufdringlich, aber dennoch fühle ich mich heimisch.

Wir hatten beschlossen in Barcelona Urlaub zu machen, worüber ich gerne in einem separaten Beitrag berichten werde. Da Ryanair von Barcelona nach Marrakesch sehr günstige Angebote hatte, haben wir die Chance genutzt und für 3 Tage einen Abstecher in Marrakesch gemacht. Tatsächlich ist Marrakesch keine Stadt, in der Mann 2 Wochen verbringen könnte, daher ist mein erster und wichtigster Tipp: Bucht keinen zu langen Aufenthalt dort, wir waren 3 Tage dort und es war vollkommen ok. Falls man noch mehr in der Umgebung unternehmen möchte – dazu später mehr – sollte man mit 5-7 Tagen rechnen.

Übernachtung

In Marrakesch gibt es sozusagen 2 Stadtteile, die für Touristen interessant sind: Die Altstadt „Medina“ und die Neustadt „Gueliz„. In Gueliz befinden sich die meisten, größten und luxuriösesten Hotels. Wer also einen All Inclusive Luxus Urlaub plant, ist hier besser bedient. Leider gibt es aber in Gueliz nicht wirklich etwas zu sehen, außer ein Hotel nach dem anderen, denn das Leben findet in der Altstadt statt. Hier befindet sich der Souk und der große Marktplatz, der sich am Abend in einen großen Schauplatz verwandelt. Hier sind die Moscheen, Museen und Koranschulen, die mit ihren orientalischen Bauten beeindrucken, sowie einige der Paläste. Natürlich gibt es auch außerhalb von Medina was zu sehen aber dennoch liegen die meisten Sehenswürdigkeiten in Medina.

Meine absolute Empfehlung ist es, in einem Riad zu übernachten. Ein Riad in Medina ist meiner Meinung nach die beste Lösung, um die Stadt von ihrer ursprünglichsten Seite kennen zu lernen. Ich war einfach hin und weg von den Riads in Marrakesch, denn hier tauchst du wirklich in den Orient ein und fühlst dich wie eine kleine „Jasmin“ (Aladdin). Unser Riad hatte einen kleinen süßen Innenhof mit einem Brunnen und war geschmückt von schönem Mosaik. Auf jeder Etage gab es geschwungene Geländer vor den Zimmern, von wo aus man hinunter zum Innenhof oder nach oben in den Himmel schauen konnte. Die Zimmertüren waren große massive Holzbauten mit orientalischen Gravuren und das Zimmer an sich hatte einen absoluten Vintage Flair. Vor allem im Badezimmer fühlte man sich wie in einem kleinen Palast – Marmor durch und durch. Zudem hat fast jedes Riad eine Dachterrasse, wir hatten sogar einen Whirlpool und diesen haben wir auch ausgiebig genutzt, wenn es Mittags einfach zu heiß war, um durch die Gegend zu wandern. Wir saßen dann einfach im Whirlpool oder auf den Sitzecken und haben den Geräuschen der Stadt gelauscht: Die lauten Rufe der Markthändler in den Souks und das Vogelgezwitscher über unseren Köpfen. Ein wirklich schöner Moment!

Die Altstadt „Medina“

Die Sehenswürdigkeiten in dieser Stadt könnt ihr natürlich in jedem guten Reiseführer finden. 2 Orte sind mir aber besonders stark im Gedächtnis geblieben, die ihr auf eurem Kurztrip definitiv nicht außer Acht lassen solltet:

  • Die Souks

Die Souks in Marrakesch sind ein riesen Labyrinth und schwer zu durchschauen. Hier kann man schnell verloren gehen und sollte sich definitiv den Weg merken. Hier werdet ihr alles finden, was das Herz begehrt und merken, dass ihr euch im tiefsten Orient befindet. Überall duftet es nach Kräutern und Gewürzen, in jedem kleinen Laden schmückt die goldene Flüssigkeit, das Arganöl die Regale. Arganöl gehört hier wohl zu den Gütern, die am meisten verkauft werden, denn Marokko ist berühmt für seinen pflegenden Schatz. Doch genau hier liegt auch ein kleines Problem: Man weiß nie, ob auch wirklich Arganöl im Fläschchen ist. Natürlich wird dir jeder Händler hoch und heilig versprechen, dass ER pures Arganöl hat, daher mit Vorsicht zu genießen. Nichtsdestotrotz finde ich die kleinen Fläschchen super als Mitbringsel für Freunde und Familie.

Für mich selbst habe ich hier typisch marokkanische Gewürze und marokkanischen Minztee mitgenommen. Der marokkanische Minztee gehört einer eher süßeren Sorte an und ich kann ihn euch nur empfehlen!! Super lecker für alle Minz-Liebhaber. Die Gewürze, die ich mir von hier mitgenommen habe verwende ich heute noch super gern! Bei mir durften vorallem Gewürzmischungen mit: Marokkanischer CurryRas-el-Hanout – eine Mischung aus 35 Gewürzen, die in jedem marokkanischen Haushalt zu finden ist; süße Paprika, schmeckt fast wie Ketchup; Gewürzmischung für Fisch; Gewürzmischung für Reis und Couscous. Falls ich mal wieder nach Marokko reisen sollte, werde ich mir definitiv Nachschub holen! Vor allem die Mischung aus 35 Gewürzen hat es mir angetan, es passt einfach überall dazu und peppt jedes Gericht auf.

Wer in einem Souk oder allgemein auf einem Markt im Orient schlendert, sollte zu handeln wissen. Vor allem in Marrakesch nennen die Händler immer zuerst einen überteuerten Preis, welcher auf die hälfte runtergehandelt werden kann – MINDESTENS! Sie werden euch sagen, dass es der beste Preis ist, den sie euch anbieten können und dass sie selbst nichts mehr daran verdienen ABER glaubt mir, da geht noch was.. Schließlich gibt es das, was er in seinem Laden hat auch im Laden nebenan. Tut einfach so, als würdet ihr gehen, weil es euch zu teuer ist und schwups ist der Händler bereit euch einen geringeren Preis anzubieten. Auch beim Taxi, z.B. vom Flughafen zum Hotel, solltet ihr übrigens vorher den Preis verhandeln. Hier gilt auch die Regel: Mindestens auf die Hälfte runterhandeln!

  • Djemaa el Fna – Square

Dieser zentrale Marktplatz war für mich fabelhaft und grausam zugleich.Morgens befinden Sich hier die kleinen Stände, die frisch gepressten Saft anbieten, welcher uns unter der sengenden Sonne auch echt gut tat. Hier sind die Eingänge zu den Souks und von hier aus kann man die Koutoubia Moschee sehen oder sich für eine Kutschfahrt durch Marrakesch entscheiden – auch hier VERHANDELN! Was für mich aber eher eine Qual war an diesem Platz, waren die Männer, die Affen an Ketten hielten oder Schlangen schlugen, damit sie ruhig blieben.. Ich habe regelrecht schlechte Laune bekommen, sobald ich auf den Platz kam. Dabei fragen diese Männer die Touristen nicht mal, ob sie den Affen halten möchten, sondern stellen ihn dir einfach auf die Schulter. Von mir haben sie nur böse Blicke geerntet und kamen daher, zum Glück, nicht zu mir.

Abends jedoch verwandelt sich der große Platz in einen riesen Schauplatz voller Geschehnisse. In der Mitte entsteht eine große Grill-Küche mit vielen kleinen Ständen, die dazu einladen die örtlichen Spezialitäten zu kosten. Zwar rufen die „Kellner“ ununterbrochen, dass sie die besten sind und versuchen die Konkurrenz zu übertönen aber eigentlich sind die Stände ungefähr gleich. Wir haben uns hier für einen Stand entschieden, an dem gegrillt wurde und haben uns einen kleinen Snack gegönnt. Die Preise sind natürlich sehr touristisch aber das Feeling inmitten der Menschen und des Feuers zu sitzen, war es wert. Von dort aus haben wir einen kleinen Spaziergang über den Platz gemacht und ich war überrascht, wie voll es eigentlich war. Wo es doch am Morgen noch so leer war, aufgrund der Hitze, war es nun voll mit Einheimischen und Touristen. In der einen Ecke wurden Geschichten erzählt, wo alle gebannt zuhörten, während in der anderen Ecke Fußballtricks vorgeführt wurden. Frauen saßen auf dem Boden und zeichneten Kunstwerke mit Henna auf die Hände ihrer Kunden, sie zauberten kleine orientalische Malereien. Nebenan wurden auf einem kleinen Wagen marokkanische Töpfereien mit bunten verzierungen verkauft und selbstverständlich gab es auch frisches Obst an jeder Ecke. Überall war Jubel und Gemurmel zu hören, begleitet von dem Zischen der Grillplätze. Natürlich gab es auch immer noch die Affen- und Schlangenhalter aber diese habe ich in dem Getümmel nicht beachtet. Einen Besuch ist der Platz am Abend also definitiv Wert.

Unternehmungen

  • Kamel Reiten

Leider hatten wir nicht all zuviel Zeit für Unternehmungen, während unseres Aufenthaltes aber eine Sache wollte ich unbedingt machen: Auf Kamelen durch die Landschaft reiten. Ihr hättet mal die Promobilder sehen sollen mit ihren wunderhübschen Kamelen in der Wüste bei Sonnenuntergang.. Pustekuchen! Ich hatte mich so auf den Trip gefreut und die Kamele sahen auch nicht gequält sondern ziemlich gesund aus – das war mir wichtig. Die Halter sind auch nicht grob mit ihnen umgegangen oder ähnliches. Als wir zu dem Platz gefahren wurden, an dem die Kamele warteten, dachte ich mich tritt ein Pferd.. Die „wunderschöne Landschaft“ von den Fotos war eine selbst erstellte Landschaft. Eigentlich total unschön, voller Baureste, selbst gepflanzten Palmen, die schon halb verwelken und Schotter überall. Also wirklich idyllisch, so dass ich auf dem Kamel saß und die Aussicht genossen habe, war es nicht. Eine Stunde sollte es gehen.. Eine Stunde durch dieses Etwas? Na klasse.

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Ein wunderschönes Wesen, nicht wahr?
  • Ausritt in die Wüste inkl. Übernachtung

Hätten wir mehr Zeit gehabt, hätte ich mich lieber für einen Ausritt in die Wüste inkl. Übernachtung entschieden. Das wäre wenigstens noch etwas besonders gewesen. Genau das würde ich auch euch tatsächlich empfehlen, denn den Erzählungen meiner Freunde nach, soll es eine wunderschöne Erfahrung sein. Hier wird einem auch ein Dinner am Abend angeboten und natürlich ist alles nicht so „gefährlich“ wie es sich anhört.

Fazit

Bevor ich nach Marrakesch bin, habe ich großes erwartet und leider was kleines erhalten. Ich habe mich gefühlt, wie in einem Film bzw. wie auf einem Set. Alles war so unecht und inszeniert, es gab keine wirklichen „Einheimischen“, so gut wie alle sind nur wegen des Tourismus dorthin gezogen und betreiben ihre kleinen Läden. In Marrakesch gibt es quasi nur die Touristen als Einnahmequelle, keine Agrarwirtschaft oder ähnliches. Dementsprechend stark wird man auch von den Händlern belagert, angelogen und somit zum Kauf getrieben. Auch Bettler gibt es überall und generell wird hier für ALLES Trinkgeld verlangt, sogar wenn man nur nach dem Weg fragt. An einem Tag ging eine Frau mit ganz vielen Armreifen an uns vorbei und wollte mir einen „schenken“. Ich wusste, dass das nicht sein kann und sagte direkt, dass ich kein Geld dabei habe und nichts kaufen möchte. Sie bestand darauf und sagte die ganze Zeit, dass sie es mir nur als Segen schenken und kein Geld dafür haben möchte.. „Wirklich nicht“.. Nachdem sie uns minutenlang belagert und belabert hat, habe ich nachgegeben und diesen goldenen (nicht echt) Armreif angenommen. Promt hat sie auch schon die Hand aufgehalten und nach Geld gefragt. Ich war schockiert und wollte ihr den Armreif zurück geben aber sie nahm ihn nicht zurück und ging einfach vor sich hin murmelnd weg. Bis heute habe ich die Befürchtung, dass sie mich verflucht hat.

Mir hat also die Authentizität der Stadt schlichtweg gefehlt – dieses Gefühl von „DAS ist Marrakesch“ war nicht da. Das bedeutet nicht, dass unser Aufenthalt nicht schön war, keinesfalls! Es war sehr schön aber auch leider sehr unecht..

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Die Koranschule
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Koranschule in Marrakesch
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Museum
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Koutoubia Moschee
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Vorgarten des Koutoubia
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Die Straßen von Marrakesch
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Wunderschöne Architektur

10 Gedanken zu „Marrakesch – ein Land wie in 1001 Nacht.. Oder auch nicht?

  1. Marrakesch ist wie Venedig nur noch ein Freizeitpark für Touristen. Ich war vor knapp 20 Jahren da, mit meinem damaligen Freund, er war Marokkaner. Zwar nicht aus Marrakesch, insofern war auch er dort Tourist, aber dennoch kann man die Stadt an der Seite eines Einheimischen doch anders erleben. Jahre später war ich noch mal auf Inforeise da (ich arbeitete damals in der Reisebranche). Damals schossen Hotels überall wie Pilze aus dem Boden. Es war deprimierend.
    Deine Fotos sind übrigens toll 😊
    Liebe Grüße, Bettina 🙋

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  2. Sehr interessanter Beitrag. Marrakesch reizt mich auch schon lange, aber dein Bericht hat ein bisschen die rosarote Brille poliert. Mit Tourismus kann ich leben, Abzocke und Aufdringlichkeit kann es mir hingegen schon schnell versauen. Trotzdem sehen deine Bilder einfach wunderschön aus und laden zum Träumen ein.
    Liebe Grüße, Dorie
    http://www.thedorie.com

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  3. Ein sehr schöner Beitrag und tolle Impressionen!
    Von den Bildern her finde ich Marrakesch beeindruckend und habe bisher auch nichts negatives gehört – finde deine Meinung aber umso wichtiger, schließlich muss eine Stadt auch den gewissen „Flair“ mitbringen – sprich die Einheimischen und nicht nur den Tourismus!
    Liebe Grüße Sarah ❤

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  4. Interessanter Reisebericht! Mich hat das Land nie besonders gereizt, wenn ich ehrlich bin. Die Fotos sind aber super und ich danke dir, dass du dir so viel Mühe mit dem ausführlichen Bericht gemacht hast! Liebste Grüße, Julia ♥

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  5. Sehr schöner Artikel, Damla. Du sprichst mir mit vielem aus der Seele. Marrakesch ist irgendwie schon lange nicht mehr so , wie ich es von früher in Erinnerung habe. Einer der Gründe ist tatsächlich, dass diese Stadt sehr von Tourismus abhängig ist und dieses auch sehr deutlich macht. Schade drum. Denn Marrakesch kann und ist mehr.

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    1. Vielen Dank! Das Marrakesch früher anders war, haben nun schon mehrere gesagt. Sehr schade, dass ich nicht das frühere Marrakesch gesehen und erlebt habe!
      Danke für deinen Kommentar 🙂
      Liebe Grüße

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  6. Ich habe eben deinen Beitrag durchgelesen und finde den wirklich sehr authentisch geschrieben und schön lesbar! Der Orient zieht mich auch immer an, aber an Marrakesch habe ich noch gar nicht gedacht….Richtig interessante Einblicke 🙂

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